Vulvamodelle für die sexualpädagogische Praxis

Während der Arbeit sprudeln häufig die Ideen, was es noch Tolles geben könnte, um die Arbeit zu erleichtern. In Bezug auf die Arbeit zur weiblichen Lust, formte sich bei mir immer intensiver der Wunsch nach etwas Handfestem. Es gab schon Modelle mit denen ich arbeitete (und es auch heute noch gerne tue), aber häufig konnte ich damit nicht zeigen und erklären, was mir ein wichtiges Anliegen war. Irgendwann wollte ich nicht mehr darauf warten, dass jemand anderes entwarf und verkaufte was ich suchte..und so entstand mein erstes Vulvamodell. Ich liebte die Arbeit mit diesem Modell, doch hatte es noch einige Schwächen und meine Wünsche wuchsen. Ich machte mich erneut ans Werk und entschied mehr als ein Modell zu bauen, angeregt von der Begeisterung vieler Kolleg*innen. In dem Film Vulva 3.0 zeigt es sich nun der ganzen Welt und regt hoffentlich viele kreative Köpfe an..

 

 

Erläuterungen zum Modell:

Das Modell zeigt deutlich den Aufbau der Vulva (Lippen - innere größer als äußere und verschieden, Klitoris, Harnröhre, Vulvaöffnung und auch die Harnröhrennebenkanäle)
- Besonders ist die herausnehmbare Klitoris und die ebenso herausnehmbaren Lippen (FGM_FGC - nutz ich gerne in Schulklassen und kommt auch gut an)
- auf der einen Seite sind die Harnröhre mit Schwellgewebe und Nebenkanälen zu sehen, was die Erklärung der Ejakulation erleichtert (besonders die Kombi beider Seiten)
- auf der anderen Seite lässt es sich in den Vulvakanal mit G-Fläche und Gebärmutterhals schauen
- in die Vulva kann hineingefasst und die G-Fläche, sowie der Muttermund ertastet werden (das empfiehlt sich nicht als Großgruppenaktion sondern eher in kleineren Kontexten)
- die Öffnung ist von optimaler Größe, um ein Tampon einzuführen und auch gut zu zeigen, wie es dann so liegt von der Seite
- natürlich die drei verschiedenen einsetzbaren Hymen nicht zu vergessen
- damit nicht einfach grob in die Seiten hinein gefasst werden kann, gibts durchsichtiges Plastik zum zwischenschieben
- der äußere Stoffmantel ist abnehmbar und kann gewaschen werden
- die Materialien ahmen zudem haptisch die Strukturen der Vulva nach (Bsp: innere Lippen, innere Vulvawände, ..)

Ich arbeite mit Schulklassen und in der Erwachsenenbildung mit dem Modell. Es eignet sich zudem gut in Einzel- und Paarberatungen und ist eine tolle Ergänzung der bisherigen Materialien, weil die meisten anderen Modelle leider sehr reduziert sind, was beispielsweise die Klitoris angeht. In meinem Modell gibt es daher auch die G-Fläche samt Harnröhrenschwellgewebe, sodass die Ejakulation gut erklärt werden kann. Mein Modell macht also die weibliche Lust mehr sichtbar und erklärbar. Und auch FGM_FGC lässt sich liebevoller thematisieren ohne abschreckende Bilder hervorziehen zu müssen. Es kommt einfach ganz selbstverständlich daher.
Warum diese Abstraktion mit den verschiedenen Materialien und Farben fragen viele? Sie setzen keine Normen. Alles was "authentische" Nachbildungen zeigt, schafft auch ungewollt eine Norm. Dieses Modell ist abstrakt genug um ganz eindeutig zu zeigen: "Alle sind unterschiedlich. Mach dir dein eigenes Bild." Und es können IMMER ALLE das Modell verstehen, auch wenn es anfänglich kurze Irritationen auslöst. Aber Irritationen sind immer ein toller Auftakt. Und würde das eine "Echtnachbildung" nicht auch tun?

 

Alle Vulven sind mittlerweile verkauft und freuen sich, die Welt zu sehen und gesehen zu werden.